"Urlaubsland" Dänemark?

"Dem Tier gegenüber sind heute alle Völker
mehr oder weniger Barbaren.
Es ist unwahr und grotesk,
wenn sie ihre vermeintliche hohe Kultur
bei jeder Gelegenheit betonen
und dabei tagtäglich die scheußlichsten Grausamkeiten
an Millionen von wehrlosen Geschöpfen begehen
oder doch gleichgültig zulassen."

Alexander von Humboldt (1769-1859)


Urlaub mit Hund in Dänemark

 

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Thema hier auf meiner Seite unter "Verbrechen am Tier" poste. Und ich habe mich dazu entschlossen, weil das, was dort in Dänemark passiert, genauso ein Verbrechen am Tier ist wie die übrigen, traurigen Fälle in dieser Rubrik. Es läuft nämlich etwas falsch im Staate Dänemark. 

 

Seit dem 01.07.2010 ist in Dänemark ein Gesetz in Kraft, das „die Haltung, Zucht und Einfuhr von 13 Hunderassen verbietet, sofern sie nach dem 17. März 2010 angeschafft“ wurden: Neben den bekannten und weniger bekannten Kampfhunderassen fallen auch Herdenschutzhunde unter dieses Gesetz. Und das Verbot gilt auch für alle Mischlinge der betreffenden Rassen. Das Fatale an der Sache ist, dass die Beweispflicht bei dem Hundehalter liegt, darzulegen, dass sein Hund nicht zu einer der gelisteten Rassen gehört. Bei einem Mischling ohne Papiere ein Ding der Unmöglichkeit.  Gelingt ihm der Nachweis nicht, entscheidet in diesem "demokratischen Rechtsstaat Dänemark" die Polizei, also ein staatliches Vollstreckungsorgan, jeweils nach Augenschein und hat im Zweifelsfall letztendlich das Rcht, den Hund zu beschlagnahmen und einschläfern zu lassen. Und so werden schon Welpen, deren Mutterhündinnen und unauffällige Familienhunde Opfer eines unsinnigen und von krankem Menschenverstand geschaffenen Gesetzes. Und das nur, weil sie im "falschen" Fell geboren wurden.

 

Aber es geht ja noch weiter: Der nächste Punkt des Gesetzes bezieht sich nämlich auf Bissverletzungen, die ein Hund einem Menschen oder auch anderen Hunden zugefügt hat. So heißt es nach einer Information des dänischen Außenministeriums: „Sollte ein Hund (gleich welcher Rasse) eine Person angreifen, andere erhebliche Schäden verursachen oder, falls es begründete Vermutungen gibt, dass der Hund für die Umgebung gefährlich ist, kann die Polizei Leinenpflicht, Maulkorb oder beides anordnen, sowie über eine Einschläferung des Tieres entscheiden.“ Im Klartext ausgedrückt handelt es sich dabei immer um Bissverletzungen etwa bei einem verletzten Hund, die durch einen Tierarzt genäht werden muss. Der Tierarzt, der mindestens mit einem Stich näht, ist verpflichtet, das zu melden. Für den Hund, der gebissen hat, bedeutet das das Todesurteil. Eine Prüfung der näheren Umstände ist dabei nicht vorgesehen, rechtliche Einspruchmöglichkeiten ebenso wenig.

 

Und so werden nach Schätzung infolge dieses Gesetzes täglich zwei Hunde getötet.

 

Der Verein "Ärzte für Tiere" hat auf seiner Seite die Situation der Heimtiere in Dänemark beschrieben, ebenso die Lage für Besucherhunde und Fundhunde. http://www.aerztefuertiere.de/index.php?option=com_content&view=article&id=86&Itemid=546&lang=de

Ich habe den Text einfach mal hierher kopiert:

 

Dänemark

Die Situation der Heimtiere in Dänemark

Es ist generell erlaubt, Tiere ohne medizinischen Grund einzuschläfern

Das Königreich Dänemark liegt zwischen der Skandinavischen Halbinsel und Mitteleuropa. Ungefähr ein Drittel des Staatsgebiets verteilt sich auf insgesamt 443 Inseln. Dänemark gehört mit seinen rund 5,5 Mio Einwohner seit 1973 zur EU. Neben dem Kernstaatsgebiet gehören die innenpolitisch autonomen Gebiete Grönland und die Färöer zum Königreich Dänemark und zur NATO, jedoch nicht zur EU. Beide Gebiete führen eigene Flaggen und haben eigene Amtssprachen. Die einzige Landesgrenze hat Dänemark zu Deutschland.
Dänemark gilt als Hundefreundliches Reiseland, das gerade deswegen von vielen Hundebesitzern bereist wird. Allerdings liegt die Tücke hier im Detail. Es ist generell erlaubt, Tiere ohne medizinischen Grund einzuschläfern. Diese Möglichkeit nutzen auch die Behörden wenn es um Fundtiere oder Kampfhundrassen geht.

Wird ein streunendes Tier in Dänemark gefunden, wird das Fundtier auf eventuelle Markierungen (Tätowierung, Chip, Halsband) untersucht um gegebenenfalls den Besitzer zu ermitteln. Ist dies erfolglos, wird in der lokalen Presse eine Suchanzeige geschaltet. Zwischenzeitlich wird das Tier in einem privaten Pflegestelle unterbracht und versorgt. Gesetzlich gesichert ist diese Versorgung allerdings nur für drei Tage, gemäß § 3 des Hundegesetzes (Nr. 164). Wird in dieser Zeit kein Besitzer gefunden, wird das Tier in ein privates Tierheim gebracht (falls dies es annimmt), oder aber eingeschläfert. Da die Tierheime alle privat sind und nicht staatlich gefördert werden, können sie in der Regel nur eine sehr begrenzte Anzahl von Tieren annehmen. Natürlich wird hier den "leicht vermittelbaren" Tieren, sprich den Hübschen, den Rassetieren und den Welpen der Vorzug gegeben. Alte, "hässliche" und/oder kranke Tiere werden eingeschläfert.

Darüber hinaus hat Dänemark seit 2010 neue gesetzliche Bestimmungen, die Haltung, Zucht und Einfuhr von 13 so genannten Kampfhundrassen verbieten, soweit diese nach dem 01.07.2010 erfolgt ist. Dies gilt auch für Touristen, die mit einem Hund oder Mischling dieser 13 Rassen einreisen wollen. Seitdem dürfen Hunde dieser Rassen selbst von Tierheimen nicht mehr vermittelt werden. Die Zukunft für Hundewelpen, Fundhunde oder Straßenhunde dieser Rassen ist demnach die Einschläferung.

Fazit:
So modern Dänemark in vielen Dingen sein mag - sei es sozialpädagogisch, oder auch im Einkaufen von Lebensmittel (die Dänen geben doppelt so viel Geld für Biolebensmittel im Monat aus als Deutschland) - desto erschreckender ist der Umgang mit unbequemen Tieren.

 

Ich möchte den Lesern dieser Notseite einen ganz tollen Kommentar, den ich vor kurzem gelesen habe,  nicht vorenthalten:


Username: Jutta N. Neurode

"Eins vorweg, ich bin Dänemarkfan ..... schon seit mehr als 25 Jahren habe ich regelmäßig Urlaub in Dänemark gemacht. Endlose Strände, Kiefernwälder, Heidelandschaften "hyggeligt" Ferienhäuser und nette Menschen. Zuletzt war ich im Frühjahr 2012 dort .......

Warum nun nicht mehr??
Ich gebe zu ich wusste schon das es in Dänemark "irgendsoeine" Rasseliste gibt ......Na und, gibt es bei uns auch .... und außerdem betrifft mich das ja nicht, schließlich habe ICH ja keinen Listenhund..... und überhaupt, muss man denn SO einen Hund halten wenn man in diesen Land lebt? So oder ähnlich waren meine Gedanken zu diesen Thema ..... wie ich leider zugeben muss.
Zwar weiss ich als Hundehalter mit über18 Jahren Erfahrung, als 2.Vorsitzende in einen dem VDH angeschlossenen Nothilfeverein, aus langjähriger Mithilfe in einer Hundeschule und durch viele Freunde und Bekannte die Züchter, Trainer oder einfach nur Hundehalter sind ... das es keine "Kampfhunde" gibt ..... das es mit JEDEN Hund zu einen Beißvorfall kommen kann und das es bei weiten NICHT die sogenannten Kampfhunde sind die, die Beißstatistik anführen. Trotzdem habe ich mir keine weiterführenden Gedanken um das Thema Dänemark und Rasseliste gemacht.
Warum nun doch?
Aufgeschreckt durch immer neue unfassbare Meldungen begann ich vor nun doch selbst zu recherieren.....und war wirklich betroffen. Die Rasseliste in Dänemark enthält 13 Rassen.....und nein, nicht nur sogenannte Kampfhunde stehen dort drauf. Ungefähr die Hälfte betrifft Herdenschutzhunde wie den Tornjac der leicht mit dem Landseer verwechselt werden kann... oder den Sarplaninac der große Ähnlichkeit mit dem Leonberger aufweist .......ganz zu schweigen von dem Südrussischen Owtscharka, ein großer weißer Wuschel.... eine Bekannte hat einen Komondormix der haargenau so aussieht. Macht euch mal die Mühe und googelt Bilder dieser Rassen...... vielleicht werdet ihr mit Erschrecken feststellen das euer Berner-Sennen euer Bernhardiner oder auch euer Bobtail Mix eklatante Ähnlichkeit mit den Hunden auf der Rasseliste hat.
Na und, das müssen die mir ja erstmal beweisen das es ein Listenmix ist!
Weit gefehlt ..... nicht DIE müssen es beweisen, nein....IHR müsst beweisen das euer Hund eben kein Listenmix ist .... bei den meisten Mischlingen praktisch unmöglich, schließlich gibt es keine Ahnentafel die, die Abstammung zweifelsfrei belegen würde. Diese Umkehr der Beweislast hat in Dänemark in den letzten 2 Jahren dazu geführt das unzählige friedliche Familienhunde die in keinerlei Beißunfälle verwickelt waren, von der Polizei konfiziert und eingeschläfert wurden. Ihr einziges Vergehen "vermutlich" ein Listenhund zu sein oder auch nur ein Mix aus einer dieser Rassen. Um diese unglaubliche Maschinerie aus Willkür und Polizeigewalt in Gange zu setzen reicht übrigens eine Anzeige von vielleicht einen genervten Nachbarn, oder auch jeden Anderen mit dem man Streit hat oder hatte.
Immer noch kein Grund? ....schließlich wohne ich nicht in Dänemark und überhaupt sieht mein Hund keinen auf der Liste ähnlich...
Na, dann kommen wir zu den Beißunfällen ...... das Hundegesetz beinhaltet außerdem das JEDER Hund der in einen "schweren Beißvorfall" verwickelt ist konfiziert und innerhalb kürzester Zeit eingeschläfert werden darf. Ein "schwerer Beißunfall" definiert das Gesetz wie folgt ...jede Bißverletzung die ein Hund einen anderen Hund oder auch einen Menschen zugefügt hat und die ärztlich bzw. tierärztlich behandelt werden muss. Da denkt mal einen Augenblick drüber nach....jeder, wirklich jeder Hundehalter weiss wie schnell es unter, auch ansonsten absolut verträglichen, Hunden zu einer " Rangelei" kommen kann..... wie leicht kann es passieren das dabei ein Schmiss in der Seite oder auch ein Loch im Ohr ensteht. Fast jeder Hundehalter wird auch solch kleine Verletzung tierärztlich versorgen lassen.....zu groß die Infektionsgefahr. In Dänemark ein Todesurteil. Auch dieser Aspekt des Hundegesetzes hat in den letzen Jahren zum Tod von unzähligen Hunden geführt ..... darunter ein Lhasa Apso der in einer, für ihn bedrängenden Situation, einen Menschen in die Wade gebissen hat.
Für mich ist das alles mehr als ausreichend um Dänemark bis auf weiteres zu meiden.....
Wer immer noch entschlossen ist mit seinen Hund Urlaub in Dänemark zu machen ist übrigens gut beraten UNBEDINGT einen Anhänger mit Telefonnummer und Anschrift am Halsband des Hundes anzubringen. Warum ?? Wenn euer Hund in Dänemark entläuft und der Besitzer nicht ermittelt werden kann, ist die Polizei berechtigt den Hund binnen 3 Tagen einschläfern zu lassen..... dieses muss lediglich in einen Aufruf der örtlichen Presse bekannt gegeben werden.
Jaaaa, werden jetzt einige sagen ..... das ist ja alles schlimm, sicher...ABER das werden die wohl kaum mit Urlauberhunden machen.....
Stimmt, obwohl das Hundegesetz selbstverständlich auch für Touristen gilt, gehe auch ich davon aus das mit zweierlei Maß gemessen wird.....zu wichtig ist der Tourismus als Wirtschaftszweig, um gut zahlende Urlauber zu verprellen .... ABER, darauf ankommen lassen würde ich es nicht....
Und selbst wenn ich keinen Hund hätte würde ich kein Land in dem solch ein Wahnsinn mittlerweile an der Tagesordnung ist mit meinen hart verdienten Geld unterstützen.


Also, für mich heisst es bis auf weiteres Dänemark nej tak ...."

 

Dänemark - nein danke! Aus Solidarität den dänischen Hundehaltern gegenüber, aus Mitgefühl den vielen getöteten Familienhunden gegenüber, aus Unverständnis und Wut der dänischen Regierung gegenüber und aus Angst um meine Hunde werde ich dieses Land nicht betreten. Auch gerade weil ich  "normale" Hunde habe, meide ich das Land. Ich akzeptiere und liebe nämlich alle Hunderassen. Kein Hund ist für mich besser oder schlechter. Es kann doch wohl nicht angehen, nur weil mein Hund nicht auf irgendeiner bescheuerten Liste steht, dass es mir egal ist, ob der Nachbarhund, der nicht so viel Glück hat, eingezogen und eingeschläfert wird, nur weil er im falschen Fell steckt. Nein, für mich sind alle Hunde gleich und haben das gleiche Recht auf Leben.

 

Gilt unser Mitgefühl nicht all jenen Familien, die ihren Hund verloren haben? Gilt unser Mitgefühl nicht auch den Hunden, die unschuldig aus rassistischen Gründen eingeschläfert wurden? Wenn ich Halter eines Listis wäre oder mein Hund wäre durch einen blöden Unfall in eine Beißerei verwickelt, wäre ich auch froh, wenn andere Hundehalter sich solidarisch zeigen würden und mit mir zusammen gegen ein solch hirnverbranntes Gesetz ankämpfen würden.

Dänemark? Nein - danke! Es gibt so viele schöne Plätze auf der Welt, wo ich mit Hund hinfahren kann und wo mir die Einstellung des Landes und der Leute zu Hunden gefällt. Dänemark gehört da entschieden nicht mehr zu.