Über mich

Tja.....es ist immer schwer, etwas über sich selber zu schreiben. Bei meinen Wölfen fällt mir definitiv mehr ein.

 

Ich bin Jahrgang 1960 *seufz* und habe mir schon als Kind immer einen eigenen Hund gewünscht. Bekommen habe ich ihn nicht - dafür bin ich mit Hamster und Wellensittichen aufgewachsen. Als ich 17 wurde, bekamen meine Eltern von befreundeten Züchtern einen Mittelschnauzer in pfeffer-salz. Mit diesem Hund "landete" ich in einem SV-Verein, wo meine Liebe zum Deutschen Schäferhund entstand.

 

Mit 19 Jahren bin ich von zuhause ausgezogen - ohne meinen Schnauzer, den meine Eltern mir nicht mitgeben wollten. In meiner eigenen Wohnung durfte ich keinen eigenen Hund halten. Hundehaltung wäre auch beruflich nicht vereinbar gewesen, weil ich keinem Hund zumuten wollte, 10 Stunden allein zuhause zu bleiben. Also habe ich angefangen, Fremdhunde für DSH-Züchter auszubilden. Deutsche Schäferhunde, die ich von der  Ausdauer- bis zur Schutzhundeprüfung geführt, auf Schauen vorgeführt und die Körungen absolviert habe. Und mit denen ich bei den Deckakten ebenso dabei war wie bei der Geburt ihrer Welpen. Oftmals hatte ich ein besseres Verhältnis zu den Hunden als ihre Besitzer.

 

Das habe ich mehrere Jahre gemacht. Bis.....ja, bis zu dem Zeitpunkt, als ich beim Werfen einer Hündin mitbekam, daß die "überschüssigen" Hündinnenwelpen - obwohl sie gesund und munter waren - allein wegen ihres Geschlechts direkt nach der Geburt getötet wurden. An die Wand geklatscht wie ein nasser Schwamm. Getötet, weil sie weiblich waren und weil damals nur 6 Welpen bei der Mutter verbleiben durften. Rüdenwelpen brachten mehr Geld und waren bei den Welpenkäufern einfach begehrter. Ammenaufzucht gab es wohl noch nicht (oder wurde einfach nicht praktiziert - warum auch immer).

Da habe ich mich von diesem widerlichen Geschäft "Ware Hund" zurückgezogen. Und habe angefangen, mich für die Hunde einzusetzen, die es in ihrem Leben nicht so gut getroffen hatten.

 

Meine Tochter war gerade 2 1/2 Jahre alt, als ich durch eine Arbeitskollegin von einem DSH hörte, der - noch nicht einmal 3-jährig - eingeschläfert werden sollte, weil er schon mehrere Menschen gebissen hatte.

Ich habe mir daraufhin diesen Hund angeschaut. Ein überfressener DSH, der als Kneipenhund sein Dasein fristete und sein Leben  nach Feierabend in der Kneipe und bei den Öffnungszeiten in einem Hinterhof verbrachte. Dieser Hund hatte von seinem Besitzer gelernt, auf ein Fingerschnippen Leute anzufallen und wirklich übelst zu verletzen.

Ich habe Bingo gesehen - und mein Verstand war einfach ausgeschaltet. Als ich Bingo mit nach Hause nahm, hat er mir noch auf der Fahrt meine Autositze bis auf die Federn auseinandergenommen. Zuhause angekommen, war es zwischen ihm und meiner kleinen Tochter Liebe auf den ersten Blick. Das hat sich auch bis zu seinem Tod nicht geändert. Ich werde nie seine erste Mahlzeit vergessen - das Futter durfte ich ihm noch hinstellen. Doch dann durfte ich mich der Küche nicht mehr nähern. Da stand ich dann mit einem DSH mit zweifelhafter Vergangenheit, einer kleinen Tochter und meine Wenigkeit, die sich mit "solchen" Hunden wirklich nicht auskannte.

Es hat mich Zeit, Nerven, Geduld, das Lesen vieler Bücher und noch mehr Beobachtungsgabe bei meinem Hund gekostet, ihn lesen- und kennenzulernen, vorausschauend zu werden und entsprechend zu reagieren. Bingo hat mir im Laufe der Jahre mehr über Hunde beigebracht als jeder "normale" Hund. Er war uns immer treu ergeben, liebte meine Tochter und mich heiß und innig und hatte Zeit seines Lebens Probleme mit anderen Hunden und Betrunkenen. Aber damit konnte ich leben. Mit Bingo habe ich in meinem Verein noch die SchHI gemacht - entgegen aller Unkenrufe meiner Vereinskollegen, die mir immer einen Welpen vom Züchter auf´s Auge drücken wollten.

 

Als Bingo mit knapp 8 Jahren unerwartet starb, habe ich mir einen West-Highland-White-Terrier geholt. Ein knapp 9 Monater alter Hund, der zigmal wieder weggegeben wurde, weil seine Besitzer mit ihm einfach nicht zurechtgekommen sind. Sei es, daß er nicht alleine bleiben konnte, sei es, daß er nicht sauber wurde, sei es, daß er die Wohnungen demolierte. Seltsamerweise hatte ich diesbezüglich überhaupt keine Probleme. Dusty hat mich fast 16 Jahre lang begleitet und stand einem großen Hund einfach in nichts nach.

 

Irgendwann wurde die Sehnsucht nach einem Schäferhund wieder so groß, daß ich den Schritt wagte, mir einen Welpen von einem befreundeten Züchter zu holen. Doch als Exe knappe 5 Monate alt wurde, bin ich - weil ich ein ungutes Gefühl hatte - zum Tierarzt mit ihr gefahren und habe sie röntgen lassen. Das Ergebnis war so niederschmetternd, daß ich Exe nicht wieder habe wachwerden lassen. Ihr Beckenknochen war nur zur Hälfte ausgebildet. Danach wollte ich einfach keinen DSH-Welpen mehr haben. Das hat aber nicht lange angehalten - irgendwann landete mein Seelenhund Josy bei mir.

Mit Josy habe ich aktiv im VPG gearbeitet. Kurz vor ihrem 11. Geburtstag mußte ich sie gehen lassen. Es kam noch Apoll zu mir, ein DSH, der wegen Trennung seiner Besitzer "über" war. Apoll ist wegen seiner vielen Krankheiten nur 8 1/2 Jahre geworden.


Wegen der vielen Krankheiten, die der DSH leider mittlerweile aufweist, hatte ich mich schweren Herzens entschlossen, mir nie wieder einen zu holen. Nach wochenlangen Recherchen im Internet bin ich auf den Hollandse Herdershond gestoßen. Juma, mein erstes Streifenhörnchen, war ca. 7 Monate alt, als sie zu mir kam. Durch sie ist meine Liebe zum Herder und diese Notseite entstanden.

 

Vor 5 Jahren kam dann noch Rammstein, mein erster belgischer Schäferhund, zu mir. Ein Hund, den ich von Welpe an selber großgezogen habe. Ein Hund aus einer Verpaarung, die ich mir immer gewünscht habe. Eltern, die ich beide persönlich habe arbeiten sehen und von denen ich mehr als begeistert war.

 

Die Notfälle in meinem Umkreis wurden immer mehr. So kam es, daß ich zeitgleich 5 Hunde bei mir hatte. Hunde, die ich einfach wegen ihrer schlechten Vergangenheit und ihrem Mißtrauen gegen andere Menschen nicht weiterreichen wollte. Sie sind alle bis zu ihrem Tod bei mir geblieben. Ich erinnere mich an Teddy, eine 10-jährige DSH, die man in einem so erbärmlichen Zustand im Tierheim abgeliefert hatte, daß keiner dachte, daß sie die nächsten Tage übersteht. Sie hat noch ein Jahr bei mir gelebt, bevor ich sie gehen lassen mußte. Ich erinnere mich an Cora, die ich mit 22 Monaten aus 6. Hand aus dem Tierschutz übernahm. Eine Hündin, der man nie die Grenzen gesetzt hat und die einfach nur das tat, von dem sie überzeugt war und was sie erlernt hatte. Cora ist Anfang März 2011 bei mir gestorben - 10 Jahre, nachdem ich sie übernommen habe.

 

Mehrere Jahre habe ich aktiv in einem Tierschutzverein ehrenamtlich gearbeitet, habe Zwinger genauso geschrubbt wie ich als Gassigänger aktiv war. Dort habe ich angefangen, mit "auffälligen" Hunden zu arbeiten, habe ihnen ihr Vertrauen in die Menschen wieder zurückgegeben und so für bessere Vermittlungschancen gesorgt. Ich habe meine Sachkundeprüfung im Ministerium gemacht und bestanden und durfte Wesenstests für sog. Anlage-II-Hunde abnehmen. Diese Gelder aus den Wesenstests hat der Tierschutzverein bekommen. Als ich aus diesem Tierschutzverein "geflogen" bin, weil ich mit meinem Malinois Mondioring mache (im Mondioring wird im Vollschutz gearbeitet - ich hetzte ja Hunde auf Menschen), habe ich mir geschworen, nie wieder für einen Tierschutzverein zu arbeiten. Von da an habe ich privat Notfälle vermittelt und diese Seite hier aufgebaut.

 

Es ist einfach erschreckend, was für Unmengen an Hunden heutzutage "gezüchtet" werden. Das Angebot ist größer geworden als die Nachfrage. So wird es den Hundehaltern einfach nur leichter gemacht. Funktioniert ein Hund nicht - wird der nächste geholt. Hunde mutieren immer mehr zu Sportgeräten, zu Kinderspielzeug, aber auch zu Kinderersatz. Einen Unterschied kann ich allerdings zu früher feststellen - die Ausbildungsmethoden haben sich (Gott sei Dank) zugunsten der Hunde geändert. Langsam scheint sich bei einigen Hundehaltern eingeprägt zu haben, daß die Ausbildung eines Hundes im Kopf des Hundeführers und nicht am Hals des Hundes anfängt.

 

Ich wünsche mir einfach für unsere Hunde, sie artgerecht zu halten und respektvoll zu behandeln. Sie als Individuen zu sehen, als wirkliche Persönlichkeiten, die genau, wie wir Menschen, ihre Grundbedürfnisse haben, die man auch erfüllen sollte. Und ich wünsche allen Hundehaltern genauso viel Freude an ihren Hunden, wie ich sie mit meinen habe. Egal, ob sie aus dem Tierschutz oder vom Züchter stammen.

 

Gabriela Bartels im März 2011